Drei Tage Museums-Wahnsinn

Als Berliner hält man sich an touristischen Orten ja dann doch irgendwie eher selten auf – außer bei Besuch vielleicht. Mir persönlich ist es einfach auch immer überall viel zu voll. Da kommt meine Demophobie ein wenig zum Tragen ;-)

So verhält es sich bei mir auch mit Museen. Irgendwie denke ich mir, ich müsste mal hin. Aber schon der Gedanke daran, mich dort am Wochenende in die Massen einzureihen, lässt meine Laune auf unter Null sinken.

Dann bekam ich irgendwann mal einen Drei-Tage-Museumspass geschenkt. Bei jedem Blick in mein Portemonnaie bekam ich dann ein schlechtes Gewissen und der Museumspass erinnerte mich daran, mich dann doch endlich mal dem historisch-kulturellen Erbe Berlins zu stellen.

Ich hatte mir dann mal zwei Tage Urlaub genommen und wollte den Drei Tage Museums-Wahnsinn endlich angehen. Los ging es am ersten Tag nachmittags im Pergamonmuseum.

Pergamonmuseum

Das Pergamonmuseum wurde zwischen 1910 und 1930 errichtet nach Entwürfen von Alfred Messel errichtet. Das Museum wurde als Dreiflügelanlage konzipiert und beherbergt heute gleich drei Museen: die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst und das Vorderasiatische Museum.

Ich hatte mich vorher nicht wirklich mit den Exponaten beschäftigt. Doch als ich dann nach dem Einlass in den Raum des Pergamonaltars kam, habe ich den Mund nicht mehr zu bekommen. Und auch hier wieder die Frage: Warum war ich hier noch nie? Ich interessiere mich ja sehr für Architektur und alte Bauten und war schlichtweg beeindruckt. Weiter ging es mit dem Markttor von Milet und dem Ischtar-Tor samt Prozessionsstraße von Babylon. Jeder sollte dieses Museum und diese einzigartigen Exponate einmal gesehen haben! Ein paar Stunden kann man sich hier schon aufhalten…

Update: Im Rahmen des Masterplans Museumsinsel wird das Pergamonmuseum abschnittsweise saniert. Im Zuge dieser Sanierung ist der Saal mit dem Pergamonaltar leider bis voraussichtlich 2019 geschlossen. Weitere Informationen

Alte Nationalgalerie

Weiter ging es morgens am nächsten Tag in der Alten Nationalgalerie. Das Gebäude an sich ist schon ein architektonisches Highlight – sieht es doch aus, als würde es im Antiken Rom stehen. Das Gebäude wurde von 1867 bis 1876 errichtet und gilt als umfangreiche Epochensammlung für Kunst zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg.

Für Liebhaber der großen Meister ist die Alte Nationalgalerie ein Muss. Toll ist der Bestand an impressionistischer Kunst, von z.B. Claude Monet, Auguste Renoir oder Paul Cézanne. Mein persönliches Highlight war die Sammlung von Gemälden von Caspar David Friedrich, besonders sein „Mondaufgang am Meer“ <3

Neues Museum

Weiter ging’s ins Neue Museum – das Museum, in dem die berühmte Nofretete Büste steht. Das Neue Museum wurde zwischen 1843 und 1855 errichtet und wurde bei Bombenangriffen im zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Erst 1985 (!) wurde der Wiederaufbau der Ruine begonnen. Mitte der 90er Jahre wurde der berühmte Architekt David Chipperfield mit der Wiederherstellung des Hauses beauftragt. Bei der Restaurierung von Fassade und Innenräumen wurden die geschichtlichen Spuren des Hauses berücksichtigt. Heute beherbergt das Neue Museum die Sammlungen des Ägyptischen Museums und des Museums für Vor- und Frühgeschichte.

Die Geschichte des Hauses mit Krieg und Wiederaufbau ist allgegenwärtig. Teilweise hat man versucht die Fresken der Wände zu rekonstruieren und das gibt diesem Museum einen ganz besonderen Charme zwischen neu und alt. Die gezeigten Exponate wie altägyptische Tonscherben haben mich jetzt nicht sonderlich interessiert. Die Nofretete und ein paar Sarkophage waren toll. Sonst bestach das Museum wirklich durch seine Architektur. Toll!

Altes Museum

Danach ging es ins Alte Museum, welches von 1823 bis 1830 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel erbaut wurde. Die Säulen an der Front, die Vorhalle oder die Rotunde sind ein ausdrücklicher Rückgriff auf das römische Pantheon. Das Alte Museum beherbergt seit 1904 die Antikensammlung. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude ebenfalls schwer beschädigt, der Wiederaufbau dauerte bis 1966.

In diesem Museum habe ich vielleicht einen Rekord aufgestellt. Ich bin hier in maximal 30 Minuten durch. Weder Exponate noch Architektur des Museums haben mich interessiert oder beeindruckt. Also schnell durch und weiter. Der Drei Tage Museums-Wahnsinn heißt ja schließlich nicht umsonst so ;-)

Bode-Museum

Der Tag neigte sich langsam dem Abend zu und als krönenden Abschluss ging ich ins Bode-Museum an der Nordspitze der Museumsinsel. Das Bode-Museum wurde 1904 eröffnet und beherbergt die Skulpturensammlung, das Münzkabinett und Museum für Byzantinische Kunst. Nach knapp sechsjähriger Renovierung wurde es im Oktober 2006 wiedereröffnet.

Die Eingangshalle mit Kuppel und Reiterstatue ist sehr imposant. Tipp: Diese kann man auch ohne Eintritt zu zahlen besichtigen. Die Exponate sind überwiegend Skulpturen und Münzen. Das war jetzt ehrlicherweise auch nicht so meins. Aber ich war mal drin und für die Eingangshalle hat es sich schon gelohnt.

Jüdisches Museum

Am dritten Tag bin ich nach der Arbeit ins Jüdische Museum gefahren. Der Museumsbau von Daniel Libeskind ist schon ein architektonisches Meisterwerk. Die Dauerausstellung zeigt zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte, Alltags- und Kunstobjekte und jüdischer Kultur in Deutschland.

Die Wege im Museum waren schon besonders. Es war manchmal wirr mit Abzweigen, Treppen oder Anstiegen. Aber ich denke, genau das spiegelt die jüdische Geschichte wieder. Der Garten des Exils im Außengelände des Museums wirkt von außen unspektakulär, begibt man sich aber hinein hat es eine besondere Wirkung. Der Garten ist zwölf Grad geneigt und der unebene Untergrund soll auf die mangelnde Orientierung und das Gefühl von Haltlosigkeit der vertriebenen Juden verweisen. Für mich großartig umgesetzt. Die Ausstellung an sich ist der interessant, vor allem die jüdische Geschichte. Architektur und Ausstellung machen das Gebäude zu einem Muss für Berliner und Berlin-Besucher.

Fazit

Berlins Museumslandschaft ist so vielfältig wie einzigartig. Es gibt für jeden das richtige Museum und irgendwie sollte man auch als Berliner des Öfteren mal eines der tollen Museen Berlins aufsuchen. Die Häuser haben einen ganz besonderen Charme, fernab des Trubels der Stadt. Und ein besonderer Tipp sind die Museumscafés!

Tine

Ich bin Tine, gebürtig aus Berlin und ich liebe Fahrradfahren. Ich setze mich so oft es geht auf mein Fahrrad und fahre einfach los – irgendwohin, wo ich noch nicht war. Und das hier sind meine Radtouren. Mehr Infos über mich und den Blog gibt es hier

2 Kommentare:

  1. Hallo Tine,
    danke für den interessanten Bericht.
    Die Museumscafes werde ich mir auch mal anschauen.
    Grüße,
    Philipp

    • Hey gerne. Ja Museumscafés sind ein echter Tipp. Mein Highlight ist das im Bodemuseum – der Blick auf die Kuppel ist der Wahnsinn.

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