Mein Mitte: Eine Liebeserklärung

Mein Berlin Mitte
Ich bin Berliner. Geboren und aufgewachsen in Berlin Mitte. Viele, denen ich das erzähle, können das irgendwie nur schwer glauben. Schön sind immer die Fragen „Wo genau denn in Wedding?“ Mit Mitte meine ich auch Mitte. Geboren in der Charité, frühe Kindheit in der Marienstraße (Nähe S Friedrichstraße). Dem ein oder anderen vielleicht durch die wunderbare Böse Buben Bar bekannt. Ab der 1. Klasse – und bis heute – dann nähe Strausberger Platz. Ja ich gebe zu, es ist an der Grenze zu Friedrichshain, aber Mitte bleibt Mitte.

Viele fragen mich immer, wie man denn hier aufwachsen kann – so mitten in der Stadt. Ich sage: Spitzenmäßig. Unser kleiner Mikrokosmos zwischen Otto-Braun-Straße, Mollstraße, Karl-Marx-Allee und Lichtenberger Straße war alles, was wir hatten, und alles, was wir brauchten. Kino International samt Jugendclub, Kaufhalle, Spiel- und Sportplätze, unsere Grundschule oder Tischtennisplatten. Legendär auch das Planschi, eine Art Wasserspielplatz, in dem wir ganze Sommerferien verbracht haben bis wir Schwimmhäute zwischen den Fingern hatten.

Dieser kleine namenlose Kiez war eine riesige Spielwiese für uns. Die meisten meiner Freunde wohnten hier oder in den angrenzenden Straßen. Und dank des eher spärlichen Verkehrs bis Mitte der 90er konnten wir uns unbedenklich auf den Straßen unseres Kiezes bewegen.

Und wir waren viel draußen. Nach der Schule den Schulranzen in die Ecke gepfeffert und dann ab raus. Irgendwas war immer los. Fußball spielen, Kletterfange auf dem Holzspielplatz, Eis essen im Hennig’s Eis (leider seit ein paar Jahren geschlossen), abhängen auf dem Tartanspielplatz. Aus alten Möbeln vom Sperrmüll haben wir Wohnungen unter den Balkons der ersten Etage unseres Plattenbaus gebaut. Sonntags ging es zur Matinee ins Kino International. Und wenn die Laternen angehen, sollten wir immer zu Hause sein. Manchmal gab’s von der eigenen Mama oder der eines Freundes eine Stulle mit Salami auf die Hand und wir durften noch eine Stunde draußen bleiben. Unsere Eltern wussten nie, wo wir waren.

Später trafen wir uns in dem Jugendclub im Kino International, gingen dort mit unseren Latzhosen und Nicki T-Shirts auf die ersten Diskos oder spielten Billard bis zum Abwinken.

Am Wochenende fuhr ich mit meinen Eltern immer in unseren Garten (Datsche). Stadtkind mit Naturerfahrung. Barfuß auf der Wiese, Schnecken sammeln, baden im See und Fahrradtouren auf dem Mauerstreifen.

In der Nachbetrachtung kann ich mir keine schönere Kindheit vorstellen und das eben mitten in Berlin.

Ich wohne bis heute in diesem Dunstkreis. Es ist einfach ein Stück Heimat für mich. Warum wegziehen, wenn es doch so schön hier ist. Bis heute ist dieser kleine Mikrokosmos hier so wunderbar ruhig. Zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Tor ist es noch so herrlich wohngebietig und die Zeit ist ein bisschen stehen geblieben.

Ich war kürzlich mal ein bisschen in den Straßen meiner Kindheit spazieren und wenn ihr die folgenden Fotos seht, wollt ihr nicht glauben, dass das in Berlin Mitte ist.


Tine

Ich bin Tine, gebürtig aus Berlin und ich liebe Fahrradfahren. Ich setze mich so oft es geht auf mein Fahrrad und fahre einfach los – irgendwohin, wo ich noch nicht war. Und das hier sind meine Radtouren. Mehr Infos über mich und den Blog gibt es hier

4 Kommentare:

  1. Hallo Tine,
    Danke für die schönen Worte über unseren Kietz!
    Sag mal, was ist mit dem Planschi? Warum sieht das so verfallen aus?
    Will man da was hinbauen? Schade wärs :-/
    Viele Grüße aus Stockholm!

    • Gerne. Der Artikel war eine Herzensangelegenheit. Das Planschi ist seit einiger Zeit eingezäunt, soll aber saniert werden und wohl nächstes Jahr wieder öffnen.

  2. Pingback:Die Karl-Marx-Allee in Berlin – eine Instagram-Serie | Unterwegs in Berlin | Blog

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